Staffel-Jubiläum im SPORTLER-Museum Delmenhorst
Christina Brehmer, Ellen Streidt, Brigitte Rohde und Doris Maletzki (von links) 50 Jahre nach ihrem Olympiasieg im SPORTLER-Museum in Delmenhorst.
Am 31.Juli 1976 ereignete sich im Olympiastadion von Montreal Historisches: Im Finale der 4x400m-Staffel wurden die Frauen aus der DDR, die mit den Silber- und Bronzemedaillengewinnerinnen aus dem 400-Meter-Einzelwettbewerb Christina Brehmer bzw. Ellen Streidt angetreten waren, ihrer Favoritenrolle voll gerecht. Mit einem Vorsprung von mehr als dreieinhalb Sekunden erreichten die Läuferinnen das Ziel und blieben dabei als erstes Team der Welt überhaupt unter der Marke von 3:20 Minuten. Die US-Amerikanerinnen waren zwar deutlich abgeschlagen, unterboten jedoch ebenfalls noch die vorher bestehende Weltrekordzeit und gewannen die Silbermedaille vor der Staffel aus der UdSSR.
Nachdem Doris Maletzki, Brigitte Rohde, Ellen Streidt und Christina Brehmer sich triumphierend in den Armen gelegen hatten, fiel die erwartete Siegerehrung allerdings nahezu “ins Wasser”, denn die zeitgleiche Ankunft des Marathon-Siegers Waldemar Cierpinski und die anschließende Siegerehrung der Fußball-Olympiasieger lenkten die Aufmerksamkeit sämtlicher anwesenden Journalisten so radikal ab, dass es kein einziges vorzeigbares Foto des Rekord-Quartetts mit ihren Goldmedaillen gab. Und obwohl die vier Läuferinnen sich alle zehn Jahre regelmäßig trafen, kam man nicht auf die Idee, eine solche Aufnahme nachzuholen.
Erst als zum vierzigsten Jubiläum 2016 im Schloss Diedersdorf bei Berlin aufgrund seiner langjährigen Kontakte zu den einzelnen Sportlerinnen der heutige Direktor des SPORTLER-Museums Delmenhorst Frank Scheffka zu diesem sehr privaten Treffen eingeladen worden war, entstand eine Aufnahme der vier Olympiasiegerinnen mit ihren Goldmedaillen.
Mit der Olympia-Fackel von 1972 Grüßen Hildegard Falck (links) und Inge Bödding.
Als nun das “Goldene Jubiläum” nahte, nahmen die Läuferinnen die Einladung an, diesen Tag in Delmenhorst zu begehen. Doris, Brigitte und Ellen kamen direkt aus Hannover vom durch den DOSB organisierten Treffen der Medaillengewinner von Innsbruck und Montreal 1976. Christina stieß direkt nach ihrem Aufenthalt an der Ostsee dazu. Zunächst war Vorstandsmitglied Dr. Christian Kunz neben zwei Ehemännern der Läuferinnen dabei, später wurde er vom Gründungsmitglied Werner Scheffka abgelöst.
Nach einem gemütlichen Kaffeetrinken in der Museumsküche, bei dem schon ausführlich in alten Geschichten gekramt wurde, folgte ein mehrstündiger Museumsrundgang mit ganz vielen “wisst Ihr noch”- Einlagen. Doris Maletzki hatte als Exponat ihre Teilnehmermedaille von Montreal und einen Erinnerungswimpel, der natürlich von allen vier Olympiasiegerinnen signiert wurde, mitgebracht. Mit einem gemeinsamen Abendessen und einem “Absacker” in der Hotelbar ging dieses ehrwürdige Jubiläum zu Ende.
Olympiasieger aus Ost und West geben sich im SPORTLER-Museum die Klinke in die Hand
Das bedeutete allerdings nicht, dass es nun im Museum langweilig wurde, denn bereits einen Tag später hatte sich die Olympiasiegerin über 800 m von München 1972 mit ihrem Mann zum wiederholten Male zu einem Besuch in Delmenhorst angekündigt. Hildegard Falck brachte aus dem Schwarzwald neben etlichen Erinnerungen ihres Trainers Rolf Luxemburg z. B. auch noch ihre eigenen Spikes von 1970 sowie die bei den Olympischen Spielen getragenen Laufschuhe mit. Diese ergänzen nun ihr ohnehin schon umfangreiches Exponat in der Ausstellung.
Groß waren dann für uns alle drei die Überraschung und die Freude, als plötzlich auch noch mein Stellvertreter im Vereinsvorstand Carsten Schmidt aus Hamburg in der Tür stand. Allerdings nicht alleine, denn er hatte die zusammen mit Hildegard Falck 1972 in der 4x400m-Staffel zur Bronzemedaille gelaufene Inge Bödding mit! Gemeinsam wanderte dann die halbe Staffel von damals durch die Räume und fachsimpelte spürbar glücklich über ihre eigenen “alten Zeiten”. Auch Inge ergänzte durch ihre signierten Olympia-Schuhe und weitere Fundstücke ihre bisher schon geschenkten Erinnerungsstücke. Schließlich bildete auch bei diesem ”Teil 2 der Delmenhorster Staffeltage” ein mit spannenden Anekdoten geschmücktes gemeinsames Abendessen den Abschluss.
Frank Scheffka